Seit 1994 wirkt die Tanzplattform als Forum für den zeitgenössischen Tanz in und aus Deutschland und verbindet Künstler*innen, Kurator*innen und Journalist*innen.
Initiiert wurde die Plattform in einer Zeit, in der zeitgenössischer Tanz in der Kulturpolitik und Öffentlichkeit kaum Beachtung fand.
Das Dokumentationsprojekt “Tanz erzählt: Tanzplattform Deutschland” gibt den Künstler*innen und die Initiator*innen der ersten Plattformen eine Stimme. Sie berichten von den Bedingungen der freien Tanzszene in den 90er Jahren - von kulturpolitischen und ökonomischen Herausforderungen ebenso sowie von ästhetischen und gesellschaftlichen Aspekten.
Die Installation „Resonanzraum: Tanz erzählt - Tanzplattform Deutschland” auf der Tanzplattform Deutschland 2026 lädt dazu ein, diesen Stimmen zuzuhören. So entsteht ein Raum des Austausches zwischen Vergangenheit und Gegenwart - zwischen Erinnerungen, Erfahrungen und Hoffnungen. Dieser Dialog eröffnet andere Perspektiven und bringt neue Einsichten.
Zum 30jährigen Jubiläum der Tanzplattform Deutschland wurde die Installation bereits vor zwei Jahren in Freiburg mit einem umfangreichen Begleitprogramm gezeigt. In diesem Jahr wird sie um elf weitere Interviews ergänzt.
Das Projekt “Resonanzraum. Tanz erzählt – Tanzplattform Deutschland” ist Teil des umfassenden Konzepts “Tanz erzählt”. Ziel ist es, neue - auch digitale - Zugänge zu Tanz und Tanzgeschichte zu entwickeln. Dabei sollen Tanzforschung, Archivmaterial und Journalismus miteinander verbunden und ihre Ergebnisse einer breiten Öffentlichkeit zugänglich und erlebbar gemacht werden.
Das Projekt “Tanz erzählt. Tanzplattform – Die ersten Jahre” widmet sich den Anfängen der Tanzplattform und blickt erzählerisch auf ihre Entstehungsgeschichte zurück. Es nimmt daher die ersten drei Ausgaben genauer in den Blick: 1994 in Berlin, 1996 in Frankfurt und 1998 in München.
Im Fokus stehen die Rahmenbedingungen der freien Tanzszene der 1990er Jahre: kulturpolitische und wirtschaftliche Voraussetzungen ebenso wie ästhetische Entwicklungen und gesellschaftspolitische Fragestellungen. Auch die Frage, wie die beteiligten Künstler*innen die Plattform wahrgenommen haben – nach außen wie nach innen – spielt eine zentrale Rolle.
Herzstück des Projekts sind Interviews mit Zeitzeug*innen, die das Festival maßgeblich geprägt haben. In der Zusammenschau entsteht so ein lebendiges Bild der Tanzplattform – und zugleich ein eindrucksvolles Panorama der zeitgenössischen Tanzszene jener Jahre.
Das Projektkonzept „Tanz erzählt“ bildet den übergeordneten Rahmen. Es wird seit 2020 in einer Arbeitsgruppe des Ständigen Fachausschusses IV (Archive, Journalismus, Wissenschaft) entwickelt. Ziel ist es, neue digitale Zugänge zum Tanz zu erproben und diese mit erzählerischen Formaten zu verbinden. Dabei wird auch untersucht, wie Tanzwissenschaft und Tanzarchiv produktiv zusammenwirken können – zum Nutzen von Tanzschaffenden ebenso wie eines breiten Publikums.
Mit der Installation „Tanz erzählt. Tanzplattform – Die ersten Jahre“ wurde 2024 in Freiburg ein Pilotprojekt realisiert, das die bisher entwickelten Ansätze erstmals praktisch erprobte. Fünf Interviews konnten dort präsentiert werden. 2026 wird das Projekt um elf weitere Zoom-Interviews erweitert und damit inhaltlich deutlich ausgebaut.
Im Zentrum des Projekts steht die Methode Oral History. Sie ist zugleich Forschungsansatz wie Forschungsergebnis. Als (auto-) biografische Quelle ist sie für Tanzarchive ebenso bedeutsam wie für die Tanzwissenschaft.
Für die Installation “Tanz erzählt. Tanzplattform – Die ersten Jahre” wurden fünf Interviews geführt und als narrative Interviews angelegt. Das bedeutet: Die Protagonist*innen bestimmten weitgehend selbst den Verlauf ihrer Erzählung. Sie setzten Schwerpunkte, wählten ihre eigenen Markierungen und teilten Erinnerungen, Anekdoten und persönliche Einschätzungen.
In den Einzelinterviews wurde bewusst mit wenigen Nachfragen gearbeitet, um Raum für individuelle Perspektiven zu lassen. In Kleingruppeninterviews hingegen waren Austausch und gegenseitige Anregung ausdrücklich gewünscht - hier entstand ein dialogischer Erinnerungsraum.
Oral History im Tanz ist produktiv, konstruktiv und vielschichtig - gerade weil sie autobiografisch ist. Sie eröffnet unterschiedliche Stimmen und erweitert den Blick: auf Personen, auf künstlerische Entwicklungen und auf verschiedene Erfahrungen, Wahrnehmungen und Deutungen. Diese Vielstimmigkeit ist ein zentraler Bestandteil des Projekts. (vgl. Julia Wehren 2020)
Für die Weiterentwicklung war es wichtig, die Interviews sowohl zeitlich als auch räumlich miteinander und mit ihrem jeweiligen Umfeld in Beziehung zu setzen. Welche Ereignisse haben die Beteiligten besonders geprägt? Welche Erinnerungen sind geblieben? Und wie verorten sie sich selbst im Gefüge der Tanzplattform?
Die Installation “Resonanzraum. Tanz erzählt. Tanzplattform Deutschland” ermöglicht so einen persönlichen Zugang zur Geschichte - und zu den Geschichten - der Tanzplattform Deutschland. Sie versteht sich als weiterer Schritt eines wachsenden Programms.
“Tanz erzählt - Tanzplattform Deutschland” wurde erstmals im Rahmen der Tanzplattform 2024 in Freiburg. öffentlich vorgestellt. Nun wird das Projekt auf der Tanzplattform in Hellerau fortgeführt und weiterentwickelt.
Darüber hinaus ist das Projekt ist auf der Plattform tanz: digital (www.tanz-digital.de) präsent. Dort wird die Geschichte der Tanzplattform gebündelt zugänglich gemacht und gleichzeitig das umfassendere Konzept “Tanz erzählt” vorgestellt - als Ansatz für den Umgang mit archivischem und tanzhistorischem Material.
Paralle dazu entsteht das Archiv der Tanzplattform Deutschland. Analoge und digitale Materialien werden gesammelt, sortiert und verzeichnet. Perspektivisch soll das Archiv in digitaler Form über www.tanzplattform.de zugänglich sein und so langfristig einen offenen Zugang zur Geschichte der Tanzplattform ermöglichen.
Die Installation “Resonanzraum. Tanz erzählt. Tanzplattform Deutschland” präsentiert auf der Tanzplattform Deutschland 2026 neben den bereits fünf in 2024 veröffentlichten Interviews elf weitere Zoom-Interviews mit insgesamt 18 Tanzakteur*innen, die mit der Tanzplattform verbunden sind.
Die Interviews eröffnen den Einblick in eine Tanzwelt der frühen 90er Jahre. Viele Orte, Produktionshäuser und Festivals sind nicht mehr existent, viele Personen heute nicht mehr allen Tanzakteur*innen bekannt. In unserem Glossar setzen wir Personen und Orte in einen Kontext.
Anfänge – Gespräch der Initiator*innen der Tanzplattform
Gespräch im Rahmen der Installation „Tanz erzählt: Tanzplattform Deutschland – Die ersten Jahre“
mit Nele Hertling, Walter Heun, Dieter Buroch
Moderation: Margrit Bischof
Mit der ersten Ausgabe 1994 in Berlin begann die Geschichte der Tanzplattform Deutschland. Zunächst angelegt auf drei Auflagen, nach Berlin 1996 in Frankfurt am Main und 1998 in München, wurde das Konzept der Plattform bald auch für weitere Städte und Kulturzentren interessant. Was die zeitgenössische Tanzszene der 90er Jahre ausmachte, welche Impulse und Diskurse die Kulturlandschaft prägten und die Gründung der Plattform begleiteten und wie die Initiator*innen die Entwicklung der Plattform heute betrachten, war Thema dieser Gesprächsrunde.
Tanzschaffende erzählen - Ein Gespräch mit den Tänzerinnen und Choreografinnen Anna Till und Irina Pauls zur Tanzplattform
Gespräch im Rahmen der Installation „Tanz erzählt: Tanzplattform Deutschland – Die ersten Jahre“
mit Anna Till und Irina Pauls
Moderation: Nicole Fiedler
Die Tanzplattform Deutschland ist Diskursraum und Wettbewerb, als auch Präsentationsforum und Marktplatz für die zeitgenössische Tanzszene in Deutschland. Sie prägte und prägt die Entwicklung von Tänzer*innen national und international. Wie sehen Tänzer*innen und Choreograf*innen heute die Bedeutung und Wirkung der Plattform und wie wurde sie in den 90er Jahren, kurz nach der Zusammenführung zweier deutscher Staaten, wahrgenommen? Mit dieser Gesprächsrunde laden wir zwei Tanzkünstler*innen ein, ihre Perspektive auf die Plattform zu diskutieren.


Gäste im Live-Interview: Anna Huber, Arila Siegert, Dieter Buroch, Irina Pauls, Nele Hertling, Susanne Linke, Walter Heun
Gäste im Zoom-Interview: Arnd Wesemann, Bernard Baumgarten, Christian Möller, Claudia Henne, Gerald Siegmund, Helena Waldmann, Ingo Reulecke ,Katja Schneider, Katja Wachter, Norbert Servos, Ulrike Neumann
Interviewkonzept: Christine Henniger, Kim vom Kothen, Margrit Bischof, Nicole Fiedler
Video-Technik, Kamera: Kim vom Kothen, Maxim Wittenbecher
Schnitt und Layout: Kim vom Kothen, Tamara Kowalski
Projektmitarbeit: Isabell Arnke, Lucia Reussner
Gestaltung: Nicole Fiedler
Die Interviews wurden 2022 und 2023 in der Mediathek für Tanz und Theater im Deutschen Zentrum des Internationalen Theaterinstituts (ITI) in Berlin geführt.
Wir danken allen Beteiligten für ihre Mitwirkung und Unterstützung!
“Tanzplattform Deutschland – Die ersten Jahre” ist Teil des umfassenden Konzepts “Tanz erzählt”, das mit der Entwicklung neuer (digitaler) Zugangsweisen zu Tanz und Tanzgeschichte der Frage nachgeht, wie die Verflechtung von Tanzforschung, Archivmaterial und Journalismus für eine breite Öffentlichkeit zugänglich und erfahrbar gemacht werden kann.
Das Projektkonzept “Tanz erzählt”, als übergeordnete Struktur des Projekts “Tanz erzählt. Tanzplattform – Die ersten Jahre”, wird seit 2020 im Rahmen einer Arbeitsgruppe des Ständigen Fachausschuss IV (Archive, Journalismus, Wissenschaft) im Dachverband Tanz Deutschland entwickelt.
Ein Projekt des Dachverband Tanz Deutschland, im Rahmen der Ständigen Fachausschüsse.
Mit Unterstützung vom Internationalen Theaterinstitut.
Anfragen zum Archiv können Sie an Nicole Fiedler richten:
n.fiedler[at]dachverband-tanz.de.