Modjgan Hashemian

 

„Dringlichkeit ist, was mich inspiriert und in Bewegung bringt. Sich durch Bewegung Raum zu schaffen, ob in einem politischen System, das dir die Luft raubt, oder über den Körper Brücken zu schlagen, Grenzen zu überschreiten, indem wir uns in Tabubereiche begeben.“

 

 

MOVE IN PATTERNS / © Wolfgang Hilse HartwigDon't Move / © Lutz KnospeDon't Move / © Isabel Robson

PORTRÄT

PRODUKTIONEN

Als Kind zeichnete sie mit ihren Füßen die floralen Muster auf dem Teppich ihrer Großmutter nach, wild und ungebunden. Filigrane Fuß- und Handgesten sind noch immer Gewürz ihrer multimedialen Theatersprache. Doch die physische Bewegung zwischen Tanz, Film und Musik birst vor politischer Brisanz. Modjgan Hashemian versteht sich als Tanzaktivistin. Sie zieht ihre Energien aus zwei Welten. In Berlin geboren, pendelte sie als Kind vier Mal zwischen den Kulturen und Sprachen hin und her, bis die Familie 1980, nach der iranischen Revolution, in Berlin blieb. Teheran mutierte zum Sehnsuchtsort. Der Tanz erlöste sie aus der Klemme, der falschen Sprache am falschen Ort ausgeliefert zu sein. Tanz wurde zur Universalsprache, zum (Über-)Lebenselixier und Schutzraum. Auf der Bühne atmet sie auf – und verhilft auch anderen dazu. Ihre Choreografien erzählen, durchaus poetisch, von dem, was Iranern geschieht, was sie hemmt, krümmt, beugt: Tanzverbot, Spuren von Unterdrückung, Zensur, Verfolgung, Flucht und Sehnsucht. Das Ballhaus Naunynstraße, Förderer postmigrantischer Künstler, verhalf ihren Werken zum Leben. In „MOVE IN PATTERNS“ und „DON’T MOVE“ fand sie ein Ventil für die Frage, was den Körper in Bewegung so bedrohlich macht. „IN MOTION“, ein Duett mit Kaveh Ghaemi, filtert schmerzhafte Prozesse seines Asylverfahrens. Inspiriert von den Initiativen, bei denen sich Israelis und Iraner aus Furcht vor einem Atomkrieg ihre Liebe offenbaren, begegnen sich Tänzer dieser Länder in „I love I“, um Körperdifferenzen, Vorurteile, Analogien, Ängste und Hoffnungen aufeinander prallen zu lassen.
Irene Sieben

I love I (2013)
4 performers, stage 12 x 9,50 m, 50 min

IN MOTION (2012)
2 performers, stage 12 x 10 m, hight of lights 6 m, 50 min

DON’T MOVE (2011)
4 performers, stage 12 x 10,20 m, 60 min


BIOGRAFIE

MATERIAL

Modjgan Hashemian, geboren in Berlin, absolvierte ihre Ausbildung als Choreografin an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Ein wesentlicher Bestandteil ihrer Arbeiten ist die Auseinandersetzung mit ihren iranischen Wurzeln und politischer Kontextualisierung. Hierbei legt sie den Fokus auf Interdisziplinarität und verknüpft so künstlerische Mehrsprachigkeit mit ihrer eigenen Biografie. Seit 2009 präsentiert sie ihre Stücke in Kooperation mit dem Ballhaus Naunynstraße, wo „MOVE IN PATTERNS“, „DON’T MOVE“, „IN MOTION“ und „I love I“ uraufgeführt wurden. Ihre Arbeiten wurden in tanz- und theaterwissenschaftlichen Kontexten an der Freien Universität Berlin, in München und am K3 – Zentrum für Choreographie in Hamburg vorgestellt. Gastspiele führten sie nach Istanbul, Köln, Heilbronn und Rumänien.