Stefan Dreher

 

 

„Ich habe mich irgendwann entschieden, für immer zu tanzen. Dafür suche ich Komplizen. Das sind meine Stücke.“

 

 

I Wish I where I Hey / © Franz Kimmel

PORTRAIT

PRODUKTIONEN

Fast ein halber Tag ist schon seit dem Start des 24-stündigen Tanzmarathons vergangen. Lange hat Stefan Dreher vom Rand aus zugesehen, wie die Tänzer seit Stunden die von ihm vorgegebene Regel umsetzen, permanent ihr Gewicht zu verlagern und währenddessen spontan in unerwartete Kollaborationen, Gemeinschaften und Geschichten einzutreten. Er mischt sich unter sie, tanzt mit. Drei Schritte vor, zwei zurück, bis er mitten im bestellten Feld der Aktionen, Begegnungen und Trancen im Kopfstand verharrt. Tanz ist Stefan Dreher schlicht immer. Ein Leben lang Tänzer zu sein, sieht Dreher als zentrale Kern- und Lebensaufgabe für sich. Manchmal fühlt sich das Bekenntnis wie eine Kapitulation an. Dann ist es friedvolle Akzeptanz, die ihn zielstrebig und erfolgreich Künstler, Kollektive und Komplizen aus ganz Europa für seine international gefragten, immer radikaler werdenden Konzepte des Tanzens gewinnen lässt. Die wagemutige Konsequenz, mit der Dreher seit rund zehn Jahren Tanz als Training, künstlerisches Verfahren, performatives Ereignis und Überlebensstrategie befragt und international inszeniert, kommt oft schlicht und leise oder humorvoll verpackt daher; sie täuscht aber nie über die außerordentliche Wachheit hinweg, mit der dieser tief blickende Künstler den Tanz als ephemeres Phänomen zwischen Bild, Schrift und Bewegung hervorzulocken vermag oder mit Referenzen an den Sport oder die Massenmedien als gesellschaftliches Leistungsbild reflektiert. Fast altmodisch hat er am Ende nur eines im Sinn: den Tänzer zu finden. Wer auch immer mittanzt.
Alexandra Karabelas

Dancing Days (2013)
24-hour dance marathon, 12 performers, stage 6 x 10 m, 24 hours

I Wish I Where I Hey (2012)
3 performers, stage 8 x 8 m, 60 min

Snow (2011)
2 performers, 40 min

Pole-Dance (2010)
dance on small stages, 2 performers, stage 1 x 1 m, 30 min

Walking a line (2010)
20 performers, stage 12 x 12, 60 min

Island (2008)
2 performers, stage 8 x 8 m, 60 min

BIOGRAPHIE

MATERIAL

Stefan Dreher studierte an der Folkwang Universität der Künste in Essen. Er arbeitete mehrere Jahre in Belgien, wo er mit zahlreichen renommierten Choreografen, Tänzern und bildenden Künstlern kollaborierte. 2003 rief er das international tourende Kollektiv Loving Lucy ins Leben. Er war artiste associé von Les Halles de Schaerbeek und Artist-in-Residence beim Choreografischen Zentrum Charleroi/Danses. Parallel entwickelte er für namhafte belgische Kompanien Trainings, die Tanz und Yoga verbinden. Sein Werk umfasst seit 2003 rund 15 Bühnen- sowie ortsspezifische Arbeiten, die in Deutschland, Belgien, Frankreich, Südkorea und Tunesien gezeigt wurden. Zuletzt realisierte Stefan Dreher mit Tänzergrößen aus ganz Europa erstmals in München den 24-stündigen Tanzmarathon „Dancing Days“.