tanz lange

 

 

„Mich interessieren die Schnittmengen von Kunst und Alltag. Um diese herauszuarbeiten und zu verstehen, nutze ich den Körper als Anteil beider Mengen.“

Gemeinsames Abhängen / © Matthias DunkerAnd on the seventh day / © Stephan GaglaWirtschaftsdepression / © Stephan Gagla

PORTRÄT

PRODUKTIONEN

Mit kritischem Geist inszeniert sie Kämpfe: lustvolle und zerstörerische. In „Wirtschaftsdepression – Dieser Begriff ist kein Zufall!“ von 2013 zeigt Gudrun Lange mit drei weiteren Performern Körper, die sich selbst abhanden gekommen sind, deren Motor nicht mehr läuft. Batterien leer. Kein Zufall: ein Ausfall. Leistungsmäßig ein Reinfall. Der Burn-out kommt als Überfall, aber eigentlich vorbereitet. Die Choreografie aus schwerfällig umgesetzten Beinen, stützenden Händen, sich mühsam auf die Seite wälzenden Körpern und hängenden Köpfen könnte wie eine humorvolle Parodie auf das Fitness- und Tempodiktat von Tänzern und sonstigen Teilnehmern des herrschenden Wirtschaftssystems wirken. Doch wird hier auch die Trauer über die radikale Verlangsamung spürbar. Obwohl den Vieren nach einer Weile strammes Gehen und tänzerische Geschäftigkeit wieder gelingen, führt das zu nichts. Wieder zum Nichts. Schon frühere Performances der Choreografin thematisierten das Vermarkten, das Bewerten von Tanz, die Schönheitsbilder. Ihr Solo „Erschöpfung/Einschöpfung“ zeigte sie 2013 auf kleinen Freilichtbühnen in Gärten und Kurparks. Der hübsche Blick ins Grün kontrastiert mit dem Kampf um Luft in der Erzählung der Performance. Sie vergleicht das Leben im Körper der Gudrun Lange mit einem Ladenlokal sowie die Leere, die in beide einzog, die kahle Wände hinterließ und eine bloß noch äußerliche Erscheinung. Doch die Tänzerin erobert sich den erweiterten Raum wieder mit luftigen Schwüngen und zeigt: Pausen können Niederlage sein oder Sieg.
Melanie Suchy

Wirtschaftsdepression – Dieser Begriff ist kein Zufall! (2013)
4 performers, stage 10 x 13 x 4 m, 60 min

Gemeinsam Abhängen (2013)
installation, stage 6 x 6 x 3,50 m

And on the seventh day (2012)
6 performers, stage 10 x 12 x 4 m, variable (240 min and more), in collaboration with kainkollektiv

BIOGRAFIE

MATERIALIEN

tanz lange ist die Tanzkompanie der Choreografin Gudrun Lange. Diese studierte modernen Tanz in Rotterdam und New York. Seit Jahren lebt sie in Düsseldorf und arbeitet als freie Choreografin und Performerin. Seit 2012 erhält sie die Spitzenförderung Tanz des Landes NRW. Das Grundverständnis von tanz lange ist die Kollaboration: mit anderen Künstlern, Jugendlichen, Wissenschaftlern… So entstehen Bühnenstücke, Installationen und Forschungsvorhaben in unterschiedlicher Melange. tanz lange ist verortet in Düsseldorf in einem Ladenlokal im Stadtteil Flingern. Dies ist Büro, Treffpunkt und Veranstaltungsort für unterschiedliche Formate – selbständig oder produktionsbegleitend, von tanz lange oder anderen Künstlern.