Naoko Tanaka

  

„Licht, Schatten, Bild, Ton und Bewegung… mit ihnen erschaffe ich eine räumliche Struktur. Es entsteht eine plastische Poesie, welche die Korrespondenz zwischen Unsichtbarem und Sichtbarem widerspiegelt. Immaterielles wird dort zu Materiellem. Unsere geistige Kraft wird haptisch erlebbar.“

Absolute Helligkeit / © Henryk WeifenbachAbsolute Helligkeit / © Henryk WeifenbachAbsolute Helligkeit / © Henryk Weifenbach

PORTRÄT

PRODUKTIONEN

Als kleines Mädchen spielte sie ‚Kage Okuri‘, Schatten-Schicken. Sie sah intensiv den Schatten an, den ihre Gestalt warf, und blickte dann in den Himmel, wo sich dessen Nachbild als weiße Silhouette formte. In ihrer Kunst widmet sich Naoko Tanaka Licht, Schatten, Ton, Raum und Bewegung. Wie viel Innenwelt, Projektion in der Außenwelt, Realität, steckt – das erforscht die bildende Künstlerin und Performerin ausdauernd und konsequent. Nach zehn Jahren, in denen die Japanerin mit Morgan Nardi als Künstlerduo Ludica aufgetreten ist und in Düsseldorf zu Hause war, zog sie nach Berlin und brachte seit 2011 zwei Soli heraus: die mehrfach preisgekrönte „Scheinwerferin“ und „Absolute Helligkeit“. Es sind Stücke für einen Menschen (sie selbst), Licht und mehrere Objekte. Mit Hilfe von Filmstreifen, Pappkartons, Papier, Spiegelfolie, verbogenem Besteck, Licht und Schatten zaubert sie virtuos betörende, bewegte Bilder. Aus dem Schatten eines Tisches wirft sie mit einer kleinen Taschenlampe Bahntrassen, Hochhäuser, wuchernde Mangrovenwälder, Zäune und Stacheldraht, Autostraßen und ein Haus mit Tisch und Stühlen als schwarze Welt auf weiße Vorhänge. In „Absolute Helligkeit“ richtet sie eine Stablampe als einzige Lichtquelle auf Schubladen, die wie Vögel auf Stelzen stehen und ihr Papier ausspucken, während wir Zweigegewirr sehen, Vögel hören – und zum Schluss einen Exitus. Denn die wunderbar magischen, luziden visuellen Welten Naoko Tanakas sind alles andere als harmlos – wenn wir das nicht übersehen und unsere eigenen Schatten schicken.
Katja Schneider

Absolute Helligkeit (2012)
solo, stage 10 x 8, 40 min

Die Scheinwerferin (2011)
solo, stage 9 x 6 m, 30 min

BIOGRAFIE

MATERIALIEN

Naoko Tanaka studierte Malerei und Bildende Kunst an der Hochschule der Künste Tokio und kam 1999 als Stipendiatin an die Kunstakademie Düsseldorf nach Deutschland. Seitdem entwickelt sie eine spezifische künstlerische Sprache und kreative Form, in der Choreografie und visuelle Kunst eine enge Verbindung eingehen. Mit dem Künstlerkollektiv Ludica wurde sie 2010 mit „The Corner“ zur TANZPLATTFORM DEUTSCHLAND eingeladen. 2011 realisierte Tanaka ihr erstes Solostück, „Die Scheinwerferin“, bei dem sie Konzept-, Raum-, Tongestaltung und Performance selbst übernahm. Tanaka erhielt u. a. den Prix Jardin d’Europe 2012, sowie den ZKB Anerkennungspreis 2012 beim Zürcher Theater Spektakel. Nach „Absolute Helligkeit“ wird im Herbst 2014 der dritte Teil ihrer Serie von Solo-Installation-Performances uraufgeführt.