SWOOSH LIEU

 

„SWOOSH LIEU sind vier Theatermaschinistinnen. Sie bedienen eine Maschine, deren Bauplan durch den Ort des Theaters beständig modifiziert wird. Sie wird angetrieben durch die Techniken und Mittel des Theaters. Sie läuft mit ihnen und für sie, ihr Input ist kein Text und auch kein Körper, sie setzt sich selbst in Szene.“

The Factory - Eine Besetzungsprobe / © Anatoli Nat SkatchkovThe Factory - Eine Besetzungsprobe / © Anatoli Nat SkatchkovThe Factory - Eine Besetzungsprobe / © Anatoli Nat Skatchkov

PORTRAIT

PRODUKTIONEN

Die vier Künstlerinnen von SWOOSH LIEU nähern sich in ihren multimedialen Arbeiten dem Theater von seinen Rändern her. Sie lösen die zur Zusammenarbeit verdammten technischen Gewerke, Licht, Raum, Video, Ton aus ihrer randständigen Position und machen sie zum Ausgangspunkt ihrer szenischen Reflexionen. Ihre Arbeiten sind subversive Manipulationen am Bauplan der Repräsentation, ihr Theater ereignet sich als dezentrale Choreografie des Raums. In „Everything but Solo“ vermessen vier Tänzerinnen den Bühnenraum, sie rollen technisches Equipment, schleppen, hängen und verkabeln, sie verstöpseln Verstärker, installieren Beamer und schrauben an Tonpulten. Es stehen all jene Objekte und Handlungen im Vordergrund, die für gewöhnlich dem Blick des Publikums entzogen bleiben. Die für das Theater konstitutiven Arbeitsprozesse verlassen den Bereich der Hinterbühne und treten ins Zentrum medialer Repräsentation. Im Zusammenspiel von Körper und Technik, von Licht, Ton, Video und Tanz entfaltet sich ein intermedialer Raum, das Theater beginnt im Rhythmus seiner materiellen Bedingungen zu tanzen. In ihrer aktuellen Arbeit „The Factory“ beschwören SWOOSH LIEU die Geister industrieller Produktion. Eine durch Besetzung als Kunstort genutzte Fabrikhalle wird zum Hauptakteur einer Aneignung. Die immaterielle Arbeit der vier Maschinistinnen animiert die Wahrnehmung des Publikums. Mit dem temporären Einzug des Theaters wird die Geschichte des Orts verhandelbar, die mediale Besetzung setzt neue Parameter des Erzählens frei.
Frank Max Müller

The Factory – eine Besetzungsprobe (2013)
3 performers, site-specific work for an industrial building, 70 min

Everything but Solo (2012)
4 performers, stage 10 x 8 m, 60 min

BIOGRAPHIE

MATERIALIEN

Das feministische Performance- und Medienkunst-Kollektiv SWOOSH LIEU (Johanna Castell, Katharina Kellermann, Juliane Kremberg und Rosa Wernecke) schafft temporäre Räume und Bilder in Echtzeit und thematisiert gleichermaßen die Herstellung dieser. So öffnet sich der Ort des Theaters für gesellschaftspolitische Analogien, die aber stets mit seinen Mitteln verhandelt und erfahrbar gemacht werden. SWOOSH LIEU gründete sich 2009 am Institut für Angewandte Theaterwissenschaft in Gießen. Nachdem in ihrer Produktion „Everything but Solo“ die bühnentechnische Apparatur der Blackbox vier Tänzerinnen choreografierte, beschäftigen sie sich in  „The Factory – eine Besetzungsprobe“ mit der Fabrik als Ort fordistischer wie künstlerischer Produktion. 2014 folgt mit  „Stagehands – ein offener Umbau“ eine Performance über die Arbeit hinter den Kulissen.