Tino Sehgal

 

 

 

 

 

kein Statement

 

 

PORTRÄT

PRODUKTIONEN

Wie kein anderer Künstler steht Tino Sehgal für den Transfer eines choreografischen und tänzerischen Wissens in die bildende Kunst. Seine Architekturen der Interaktion, in denen er ein choreografisches Material mit einer Gruppe von Performerinnen und Performern auf das Publikum in Ausstellungsräumen überträgt, sind in der Konzeptkunst oder dem Situationismus verankert. Es sind künstlerische Objekte genauso wie Skulpturen, Installationen oder Fotografien. Sie sind während der vollen Öffnungszeiten von Museen oder Galerien zugänglich, verstehen sich nicht als zeitlich befristete performative Interventionen. Und doch existieren sie in einem materiellen Sinne nicht außerhalb der sozialen Interaktionen mit dem Publikum. Dieses Verständnis von Werk und ästhetischem Objekt schöpft aus einer tänzerischen und choreografischen Praxis, die Tino Sehgal durch seine Tanzausbildung und durch seine Erfahrungen in den Kompanien von Jérôme Bel, Xavier Le Roy oder auch Les ballets C de la B gemacht hat. Tino Sehgal hat in seinen großen Live-Installationen, so unter anderem auf der documenta, in der Tate Modern oder im Berliner Martin-Gropius-Bau, die körperliche Praxis durch die Choreografien sozialer Plastiken ins Zentrum der westlichen Kunst gerückt. In diese Architekturen der Interaktion bindet Tino Sehgal die Wirklichkeiten von Ökonomie, gesellschaftlicher Entwicklung, neuen Narrativen oder Kritischer Theorie ein. Themen wie Fortschritt, Soziale Marktwirtschaft oder die Spekulation im virtuellen Finanzkapitalismus werden entweder konkret aufgegriffen oder auf einer konzeptuellen Ebene reflektiert.
Johannes Odenthal

 

 

BIOGRAFIE

MATERIALIEN

Tino Sehgal wurde in London geboren und studierte Volkswirtschaft und Tanz in Berlin und Essen. 2013 wurde er auf der 55. Biennale von Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnet. Im gleichen Jahr stand sein Name auf der Shortlist für den Turner-Preis und 2006 auf der für den Hugo Boss Prize des New Yorker Guggenheim-Museums. Sehgal hat seine Werke weltweit präsentiert. Zu seinen jüngsten Einzelausstellungen gehören: A year at the Stedelijk: Tino Sehgal, Stedelijk Museum Amsterdam (2015); Tino Sehgal, Kiasma, Helsinki (2015), Martin-Gropius-Bau, Berlin (2015), Musée d’Art Contemporain de Montréal (2013); This is so contemporary, Art Gallery of New South Wales, Sydney (2014). Darüber hinaus war er an etlichen wichtigen internationalen Ausstellungsprojekten beteiligt, darunter: The Encyclopedic Palace, 55. Biennale von Venedig; die 9. Shanghai Biennale (2012); die documenta 13, Kassel (2012); die Gwangju Biennale (2010) und viele andere. Im Februar 2016 nahm Tino Sehgal am Dhaka Art Summit in Bangladesch teil. Seine Einzelausstellung im Palais de Tokyo in Paris wird im Oktober 2016 eröffnet.