Nicole Peisl


„In den choreografischen Arbeiten der letzten Jahre hinterfrage ich die Gegebenheiten einer Performance. Nämlich den Raum einer Vorstellung und dem was sich vorstellt. Die Bestandteile: Triumph und Scheitern, Stille und Gesten, Sound, Humor, Haltung sowie Objekte und/oder PerformerInnen und die Wahrnehmung des Körpers in Handlung als organisierende Werkzeuge.“

VIELFALT / © Dominik Mentzos

PORTRÄT

PRODUKTIONEN

Eine Figur, wie von Buster Keaton geträumt, kommt aus der Tiefe des Raumes, rote Baseballmütze, Schnauzbart, federnder Schritt. Wie ein Balljunge nimmt sie den Raum ins Visier, ein unsichtbares Spiel verfolgend, fixiert mit Blicken und dem ganzen, aufmerksamen Körper einen Punkt zwischen sich und den Zuschauern – die ihm unweigerlich folgen, ihre Muskeln spannen, den Raum vermessen. In „SPIELFELD I“ (2011) macht Nicole Peisl den Tänzer Norbert Pape zum Stellvertreter oder Spielleiter des Publikums. Denn die Tänzerin und Choreografin, in zahlreichen Körpertrainings und Heilmethoden geschult, erprobt in ihren Choreografien Wahrnehmungs- und Kommunikationsweisen des Körpers im Raum. Wie verändert Bewegung einen Raum? Wie die Ausrichtung der Wahrnehmung? Sie interessiert sich für die Kommunikation von Körper zu Körper, sowohl zwischen ihren Tänzern selbst als auch zwischen diesen und dem Publikum – und entwickelt diese zu einem Instrument weiter, auf dem sie fein und detailgenau spielen kann. Die ohnehin stets vorhandene körperliche Übertragung spielt sie aus, um den Zuschauer in seinen Körper zurück zu verweisen. Wie in „SPIELFELD II“ (2013), einem Kommentar zum ersten Teil, in dem sie gemeinsam mit der Dramaturgin Johanna Milz den Produktionsprozess reflektiert – nicht ohne ihre Körperbefinden in diesem Moment zu formulieren und also auch den Zuschauer zurückzurufen zwischen seine Schulterblätter, auf seine Sitzbeinhöcker. Unversehens werden die kommunikativen Akte zu ästhetischen, wird die Reflexion zur Kunstproduktion.
Esther Boldt

SPIELFELD I & II ( 2013)
4 performers, stage flexible, 25 min

Spielfeld (2011)
solo, stage flexible, 25 min

VIELFALT (2010)
2 performers, stage 18 x 20 m, 42 min

UEBERBLICK (2010)
solo, stage 16 x 8 m, 40 min

BIOGRAFIE

MATERIALIEN

Nicole Peisl, in Österreich geboren, arbeitet seit Mitte der 90er Jahre als freischaffende Tänzerin, Performerin, Choreografin und Lehrerin. Sie ist Ensemblemitglied der Forsythe Company. Sie war Mitglied des Ballett Frankfurt und arbeitete freischaffend mit Choreografen wie Anouk van Dijk, Joseph Tmim, The Episode Collective (mit Richard Siegal, Prue Lang) und mit der Daghdha Dance Company (Michael Klien). Peisl arbeitet mit einer eigenständigen körperlichen Recherchemethode, die sie aus ihrer Arbeit als Performerin, Lehrerin und Choreografin entwickelt. Sie ist Gastprofessorin an der DOCH Universität für Tanz und Zirkus in Schweden und ist zertifiziert in Craniosacraler Körperarbeit (Milne Institute) und in Somatic Experiencing (Peter Levine).