Martin Nachbar

 

 

„Ein Freund sagte einmal über seine Beweggründe zu tanzen, es habe sein Leben gerettet. Mir ist das Tanzen mittlerweile bis in die alltäglichen Gewohnheiten eingeschrieben. Ohne das verstünde ich weniger von der Welt und hätte nicht so viel Spaß daran.“ 

Animal Dances / © Gerhard F. LudwigThingamajig / © Gerhard F. Ludwigurheben Aufheben / © Gerhard F. Ludwig

PORTRAIT

PRODUKTIONEN

Unter dem Label „künstlerische Forschung“ lässt sich so manche Förderung einheimsen. Bühnen werden zu Laboratorien, Tanzende zu Forschenden und das Publikum quittiert die Unverfälschtheit des Experiments mit Sitzfleisch. Hinter galantem Akademismus verbergen sich jedoch nicht selten Verdruss und Erschöpfung. Zum Glück begegnet man im Konzepttanz auch Kunstschaffenden wie Martin Nachbar, die es ernst meinen mit der szenischen Forschung, die an sie glauben und sich mit Virtuosität und Leichtigkeit einfachen, aber grundlegenden Fragen hingeben: Was ist überhaupt eine Theatersituation? Kann Zuschauen Arbeit sein? Was passiert, wenn auf der Bühne oder im Publikum jemand die Augen schließt? In Thingamajig seziert Nachbar den komplexen Entstehungsprozess jenes ungreifbaren „Dingsbums“, das den Beteiligten nach einer Tanzaufführung im Gedächtnis bleibt. Akribisch zergliedert er das choreografische Raumzeitgefüge, variiert Bewegungssequenzen und Körperbilder, spielt mit Wiederholung, Zitat, Zufall und Kombination. Er zeigt Tanz als vieldimensionalen Körperapparat, der vielleicht wirklich etwas mit Wissen zu tun hat und Antworten auf eine zunehmend affektiv-impulsiv strukturierte Lebenswelt entwickeln kann. Nachbars Bühnenforschung gibt sich als unabschließbarer Prozess, den Performende und Publikum gleichermaßen verantworten und der viel Überschuss produziert. Vermeintlich. Denn wahrscheinlich liegt gerade im Übriggebliebenen, im (noch) nicht Verwerteten, die eigentliche Poesie: ihr verschafft Nachbars jüngste Arbeit Unfinishing Gehör.
Laura Strack

Channeling Judson Church (2014)

Thingamajig (2014)

Unfinishing (2015)
Martin Nachbar & Steven Heather

Der Choreoturg (2016)
Martin Nachbar & Jeroen Peeters

BIOGRAPHIE

MATERIALIEN

Martin Nachbar ist Choreograf und Performer. Er arbeitet gerne und viel mit anderen zusammen, z.B. mit dem Dramaturgen Jeroen Peeters, den Musikern Boris Hauf und Steven Heather, dem Kostümbildner Michiel Keupers und der Kostümbildnerin Marion Montel, dem Künstler Paul Hendrikse, dem Lichtdesigner Bruno Pocheron, und mit Tanzkünstlerinnen und -künstlern wie Zoe Knights, Benni Pohlig, Noha Ramadan und Jochen Roller. Martin Nachbar unterrichtet u. a. bei P.A.R.T.S., an der Salzburg Experimental Academy of Dance (SEAD), der School for New Dance Development (SNDO), der Universität Hamburg und dem Hochschulübergreifenden Zentrum Tanz Berlin (HZT). Zudem hat er über einige seiner mehr als 20 Tanzstücke geschrieben und veröffentlicht. Derzeit schreibt er an einer Dissertation über das Gehen. Kürzlich war er mit Repeater – Tanzstück mit Vater in Russland, und demnächst macht er zwei Kinderstücke.