Jochen Roller

Ich habe die ganze Zeit die Überbleibsel des Demokratieglaubens der Arbeiterklasse ausgespien und Leute angezogen, die mir ein bisschen Geld gegeben haben, Lord yeah! Irgendwie lechze ich nach Freiheit, Mann, aber ich weiß nicht, wie ich sie genießen soll, denn ich bin dem Bann der Almosen verfallen. (Cody ChestnuTT)“

PORTRAIT

PRODUKTIONEN

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Manchmal muss man weit reisen, um die Dinge vor der Haustüre zu finden. Vor zwölf Jahren hatte  Jochen Roller ein Exkurs zu H&M um die Ecke gereicht, wo er als Aushilfskraft an der Kasse stand und T-Shirts faltete. Die Trilogie »Perform Performing« ist so entstanden, ein überraschender Kurzschluss von Wirtschaft, Kunst und Arbeit, bei der Roller eigentlich nur ein wenig zur Seite getreten war. Aber die Zusammenhänge, die er durch seine kleine Perspektivenverschiebung eröffnete, waren genial, genial absurd, genial witzig, wahr und böse. Schwer, sich danach noch einmal selbst zu überbieten. Irgendwann hat Roller seine Performance versteigert. Vermutlich schlicht, weil er sie los werden wollte. Es hat dann trotzdem noch ein wenig gedauert. Eigentlich bis zu »Trachtenbummler«, Jochen Rollers neuestem Stück, entstanden nach einer Südseereise, bei der Roller nach den Tänzen aus seiner Heimat gefragt wurde. Er zeigt sie uns jetzt. Auf eine Weise, wie wir sie noch nicht gesehen haben. Denn entstanden ist ein Stück nicht nur über Tanz, sondern über Heimat, das verrückt ist, schräg und bezaubernd. Wenn sich im Takt von »Over the Rainbow« die sechs Tänzer, die aus Samoa, Brasilien und sonst woher kommen, in blauen Trachten an die Hände fassen und sich im Kreis und als Paare unaufhörlich drehen, entfaltet das eine Kraft, auch eine Vision von Gemeinschaft von anrührender Schönheit – die sich zur Originalmusik einem heutigen Publikum nicht vermitteln würde. Es ist ein Stück, das Fragen stellt, was deutsches Tanzbrauchtum, von den Nazis missbraucht und seitdem in der zeitgenössischen Kunst geächtet, sein kann. Eine große Arbeit.
Michaela Schlagenwerth


„Trachtenbummler” (2013)
6 dancers, stage 8 x 11 m, 75 min

„Der Carpenter-Effekt” (2013)
3 performers, stage 10 x 12 m, 75 min

„-VOID-“ (2010)
2 performers, 70 min

„Let's Dance!” (2007, 2008, 2011)
solo, 60 min

BIOGRAPHIE

MATERIALIEN

Jochen Roller, geboren in Berlin, arbeitet als freischaffender Choreograf. Bislang entstanden über 50 Arbeiten für Bühnen, Galerien, Mode, Film und Internet. Jochen Roller lebt in Berlin und Sydney.