Saša Asentić & Ana Vujanović

„Warum Performance? – Weil wir, wenn der Bereich des Ästhetischen das Ideal ist, das dem sozialen Körper seine Gestalt verleiht, diesen so lange untersuchen sollten, bis wir zum Ideal einer zukünftigen Gesellschaft werden. Oder weil sie einer der wenigen Räume ist, in denen wir noch mit der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Gesellschaftlichen experimentieren und so dessen Virtualitäten in Stücke hacken können.“

On Trial Together / © Mladjana Sugic

PORTRÄT

PRODUKTIONEN

Ana Vujanović und Saša Asentić haben eine eigene Methode entwickelt: Ihre Performances sind ein Ort (das Theater) und ein Instrument (die Choreografie), um die Zuschauenden zu befragen, inwieweit sie bereit sind, als Bürgerinnen und Bürger zu handeln und sich mit den politischen und ideologischen Themen zu befassen, die sie beschäftigen sollten, wenn sie am öffentlichen Leben teilnehmen wollen. In Cabinet of Political Wonders (2015) umgeben die beiden Künstler das Publikum mit einer ganzen Palette diskursiver Spuren verschiedener Freiheitskonzepte von der liberalen kapitalistischen Demokratie bis zum Sozialismus – politischen Reden, ikonischen Bildern, Dokumenten, Tänzen. In Revolution won’t be performed (2014-15) wird das Publikum durch eine choreografierte Geschichte von Positionen und Bewegungen des 20. Jahrhunderts geführt, bei denen Künstlerinnen und Künstler ihre (ästhetischen) Mittel dazu benutzt haben, in das gesellschaftliche Geschehen einzugreifen. Ihre packendste Arbeit ist vielleicht On Trial Together (2013-15). Das Stück besteht aus einer Reihe von strategischen Gesellschaftsspielen und lässt den Zuschauerinnen und Zuschauern keine andere Wahl, als sich an einem „deep play“ zu beteiligen und ihre Rolle in dem ausgefeilten Skript gesellschaftlicher und politischer Situationen zu spielen. Dabei wird die Aufführung mit jedem neuen Kontext verändert und den konkreten, aktuellen Problemen angepasst, welche die betreffende Gesellschaft spalten. Vujanović und Asentić erzeugen eine Rückverbindung zu anderen Geschichten und politischen Zusammenhängen, in denen ein kollektives „Wir“ wieder zum Leben erweckt oder auch zum Schweigen gebracht werden kann.
Bojana Cvejić

Revolution won’t be performed (2013-15)

On Trial Together (2013-15)

Cabinet of Political Wonders (2015)
co-authors: Siniša Ilić & Marta Popivoda
 
Take it or make it (2016)


BIOGRAFIE

MATERIALIEN

Ana Vujanović ist Kultur- und Theatertheoretikerin sowie Dramaturgin. Saša Asentić ist Theatermacher und Performer. Beide sind Kulturarbeiter. Anfangs gehörten sie zur unabhängigen Szene in Serbien. Aufgrund von Unstimmigkeiten mit dem korrupten öffentlichen Sektor und des Rechtsrucks in der Politik verließen sie Serbien. Heute leben sie in Berlin und Hamburg. Sie schreibt, lehrt und macht Performances. Seine Bühnenprojekte werden in ganz Deutschland und international gezeigt. Gemeinsam erkunden sie die soziale Choreografie. In ihrer künstlerischen Praxis untersuchen sie die Beziehungen zwischen der Ideologie, dem Körper und dem Handeln. Ihre Performances sind vibrierende Strukturen, die von dem sozialen Umfeld, in dem sie stattfinden, beeinflusst werden. Vujanović und Asentić arbeiten unablässig daran, ihre Aufenthaltserlaubnis in Deutschland verlängert zu bekommen.