Peter Pleyer

„Verwurzelt in der Post-Judson Avantgarde arbeite ich an der Weiterentwicklung der Idee von Chance und Collage, indem ich Tanzimprovisation, Lecture Performance und Oral History verbinde. Emanzipation und Diversität sind dabei die politischen Schlagworte.“

Ponderosa Trilogy / © Michiel KeuperP - Peter Pleyer Portfolio Performance Piece / © Michiel KeuperVisible Undercurrent / © Michael Rowsome

PORTRÄT

PRODUKTIONEN

Zur Zeit seiner Geburt waren Steve Paxton und Robert Rauschenberg ein Paar. Was, wenn er ihr Sohn geworden wäre? Fantasien wie diese aus der Ponderosa Trilogy von 2015 sind typisch für den tanzhistorisch und - betrieblich versierten Peter Pleyer. Das Stück ist benannt nach dem Sommerquartier der Berliner Tanzszene im Oderbruch, kurz vor der Grenze zu Polen. Peter Pleyer hat die Entwicklungen dort, die wiederum die Ästhetik von in Berlin arbeitenden Kunstschaffenden entscheidend beeinflusst haben, durch sein Unterrichten und seine Gesprächspräsenz stark mitgeprägt. Bis er sich 2014 wieder für die künstlerische Arbeit freimachte, war er darüber hinaus vor allem als Leiter der Tanztage Berlin – des jährlichen Festivals für junge Talente – bekannt. Was davon bleibt, ist sein ausgeprägtes pädagogisches Eros, das mit den Arbeiten zu Visible Undercurrent (2014) – einem Archiv in Bewegung und in Begegnung – erfolgreich zum choreografischen Prinzip erhoben wurde. Unterrichten und künstlerische Praxis gehörten für Pleyer schon seit seinem Studium im niederländischen Arnheim zusammen. In alternierenden Haltungen, der des Lehrmeisters genauso wie der des Novizen, erforscht er seitdem sein außerordentliches Archiv zum Postmodern Dance und dessen (europäischen) Folgen. Fixpunkte sind die Aids-Krise der 1980er-Jahre, Kontakt-Improvisation, Queer Theory sowie ein formalästhetisches Interesse an Ritualordnungen. Diese Kombinatorik führt Peter Pleyer stilistisch zu einer Mischung aus Lecture Performance und Freestyle Voguing; im tastenden Experiment zu gemeinschaftsbildender Dialektik begriffen und umgarnt von seinen beachtlichen Häkelkünsten.
Astrid Kaminski 

 

 

Ponderosa Trilogy (2014)

Visible Undercurrent (2014)

Visible Undercurrent – kick off (2014)

p – peter pleyer portfolio performance piece (2015)

BIOGRAFIE

MATERIALIEN

Peter Pleyer studierte am European Dance Development Centre (EDDC) in Arnheim. Er arbeitete als Tänzer und choreografischer Assistent mit Yoshiko Chuma und Mark Tompkins. Seit 2000 lebt er in Berlin. Von 2007 bis 2014 war er künstlerischer Leiter der Tanztage Berlin und von 2012 bis 2014 Mitarbeiter im Team der Sophiensæle. Sein Interesse als Choreograf und Performer sowie als Dramaturg und Coach liegt darin, neue Methoden des Tanztrainings, der Komposition und Improvisation in choreografische Prozesse zu integrieren, wie z.B. in der Lecture Performance Choreographing Books oder in Visible Undercurrent (2014). Er unterrichtet an verschiedenen Hochschulen und Festivals in Europa und half in Berlin beim Aufbau eines Hochschulstudiums für zeitgenössischen Tanz.